Wissenschaftliche Erkenntnisse

Neue wissenschaftliche Erkenntnisse/Studien

Viel Wechsel in Empfehlungen für Diabetiker: Thema Süßes

Die Empfehlungen in Sachen Ernährung und Lebensstil bei Diabetes haben sich in den letzten Jahrzehnten zum Teil immens gewandelt. So war zum Beispiel Haushaltszucker in den 90er Jahren für Menschen mit Diabetes untersagt und die „Diabetiker-Lebensmittel-Industrie“ hat sich eine goldene Nase verdient. „Diätjoghurts, -kekse, -schokolade“ und Co. waren vornehmlich mit Fruchtzucker und einigen Zuckeraustauschstoffen gesüßt, oft bei höherem Fettgehalt an teilgehärteten Fetten. Diese Produkte waren meist teurer als normale Süßigkeiten, nicht gesünder und schmeckten dabei weniger gut. Heute weiß man, Diabetiker können auch Haushaltszucker essen – einmal ungeachtet der Tatsache, dass dieser generell nicht zu den gesunden Lebensmitteln zählt.

Noch wichtigere Empfehlungsveränderung: Mengenverhältnis Kohlenhydrate und Fett

Ähnlich verhält es sich bei weiteren Empfehlungen zur Ernährung bei Diabetes [Literatur]. Während man früher davon ausging, dass Menschen mit Diabetes vor allem fett- und proteinarm essen sollten, weiß man heute, dem ist nicht so. Im Gegenteil, eine Reduzierung des Kohlenhydratanteils in der Ernährung macht insbesondere bei Diabetes weitaus mehr Sinn [Gesunde Ernährungsregel], da die Blutzuckereinstellung bei Typ-1-Diabetes maßgeblich erleichtert wird, und weil insbesondere bei Typ 2 auch die Diabetes auslösende Insulinresistenz [3.Insulinresistenz] verringert oder beseitigt werden kann.[1] Das früher oft als ungesund verpönte Nahrungsfett ist im Gegenteil – vor allem wenn mehrfach ungesättigt – gesundheitsfördernd.[2]

Die Vorteile einer kohlenhydratreduzierten und dafür fett- sowie proteinbetonteren Ernährung für Menschen generell (unabhängig von einer Diabetes-Erkrankung) konnten darüber hinaus in mehreren Studien bereits auch im Hinblick auf die Mortalität (Sterblichkeit) belegt werden.[3] [Literatur]

Neues Wissen: Diabetes Typ 2 ist vermeidbar und sogar heilbar

Doch nicht nur das, auch das Wissen um die Entstehung und mögliche Heilung von Diabetes des Typ 2 ist heute weitaus fundierter und bringt ganz neue Anforderungen an eine sinnvolle Therapie mit sich.

So ist der Typ-2-Diabetes [Typ-2-Diabetes] keine Einbahnstraße, wie viele Betroffene sogar heute noch denken. In vielen Fällen ist diese Erkrankung aufhaltbar, sogar reversibel bis hin zu anhaltender Symptomfreiheit und normalen Blutzuckerwerten – Experten sprechen hier auch von Remission (Heilung).[1] Wichtige Kriterien für eine mögliche Remission sind der Gewichtsverlust und die bisherige Dauer der Erkrankung, denn je kürzer diese besteht, desto besser die Chancen, sie wieder loszuwerden. Liegt der Gewichtsverlust über 15 kg, und ist die Erkrankung vor weniger als 6 Jahren diagnostiziert worden, konnte in einer Studie eine komplette Remission bei 86% (!) der Studienteilnehmer festgestellt werden.[2]

Die Geheilten erreichten diesen großen Erfolg nicht durch ein Medikament, sondern durch eine Gewichtsreduktion. Diese Nachricht ist von großer Tragweite, denn sie zeigt, dass die wichtigsten Maßnahmen bei der Feststellung von Typ-2-Diabetes oder einem erhöhten Risiko hierfür (Prädiabetes) [3.Insulinresistenz] in einer Verbesserung des Ernährungs- und Bewegungsverhalten resultieren sollten [gesunde Ernährungsregel, welche Bewegung, 8. Prävention ].

 

[1]     Zum Beispiel zeigte die Esposito Studie von 2014, dass sich durch eine mediterrrane Low-Carb Ernährung im Vergleich zu einer kohlenhydratreichen Ernährung die Blutzuckerwerte von Typ-2-Diabetikern öfter normalisierten und eher Remissionen bei Neuerkrankten erreicht werden konnten, und dass Erkrankte länger ohne Medikamente zur Blutzuckerregulation auskamen.

[2]     Dies zeigte z.B. die PREDIMED Studie. Hier haben nur die Studienteilnehmer mit einer mediterranen Ernährung mit täglichem Olivenölkonsum stark gesundheitlich profitiert, während die anderen  Gesundheitseinbußen hatten.

[3]     Hier sind u.a. zu nennen: die Womens Health Initiative von 2006 (Ergebnis: eine fettarme Kost verbessert nicht die Mortalität), die PURE Studie von 2017 (Ergebnis: Die Mortalität erhöht sich durch eine kohlenhydratbetonte Kost und verringert sich im Gegenzug durch eine fettbetontere Kost).

[4]     Studien, die dies belegen, wurden z.B. unter Leitung von Roy Taylor aus Newcastle, Großbritannien veröffentlicht

[5]     Die DiRECT-Studie wurde angefertigt von britischen Wissenschaftlern (ebenfalls unter Leitung u.a. von Roy Taylor). Hier betrug die Remissionsrate bei Typ 2 (die Erkrankung bestand höchstens 6 Jahre) bei einem Gewichtsverlust von über 15 kg sage und schreibe 86%. Eindeutig ergab sich hierbei: je höher der Gewichtsverlust, desto größer der Erfolg. So wurde bei nur bei 7 % eine Remission erreicht, wenn der Gewichtsverlust  bis zu 5 kg betrug, aber bei 34 %  für  5 – 10 kg Gewichtsverlust und sogar bei 57 % für 10 – 15 kg Gewichtsverlust.

Literatur

Für Laien

 

  • Richard K. Bernstein, M.D.: Dr. Bernstein’s Diabetes Solution: A Complete Guide to Achieving Normal Blood Sugars. Little, Brown Spark; Auflage: 4 Rev ed (1. November 2011); nicht in deutscher Übersetzung erhältlich
  • Prof. Dr. Helene von Bibra: 3-teilige Serie zum Thema Diabetes im LIONS Magazin: 1. Diabetes muss nicht sein (Okt. 2017), 2. Kalorienträger im Stoffwechsel (Nov. 2017), 3. Low Carb in Wissenschaft und gesundheitspolitischem Szenario (März 2018)
  • Svea Golinske: Diabetes* ist heilbar! *(Typ 2). Expertenwissen 2018: Paradigmenwechsel in der Diabetes-Therapie. Systemed Verlag GmbH; Auflage: 1 (5. April 2018) 
  • Matthias Riedl, Anne Fleck, Jörn Klasen: Die Ernährungs-Docs – Diabetes: Mit der richtigen Ernährung Diabetes vorbeugen und heilen. ZS Verlag GmbH; Auflage: 1. (22. März 2017)
  • Katja Richert, Ulrike Gonder: Stopp Diabetes! Raus aus der Insulinfalle mit der LOGI Methode. Systemed Verlag GmbH; 2. Auflage 2010

 

 

Für Ärzte:

 

  • Lean MEJ, Leslie WS, Taylor R et al. Primary care-led weight management for remission of type 2 diabetes (DiRECT): an open-label, cluster-randomised trial. The lancet 2018; 391:10120:541-551
  • Schwingshackl L, Chaimani A, Hoffmann G et al. A network  meta-analysis on the comparative  efficacy of different dietary approaches on glycemic control in patients with type 2 diabetes  mellitus. Eur J Epidemiol 2018;33:157-170
  • Kempf K, Altpeter B, Berger J et al. Efficacy of the telemedical lifestyle intervention program TeLiPro in advanced stages of type 2 diabetes: a randomized controlled trial. Diabetes Care 2017; 40:863-871
  • Dehghan M, Mente A, Zhang X et al. Associations of fats and carbohydrate intake with cardiovascular disease and mortality in 18 countries from five continents (PURE): a prospective cohort study. The Lancet 2017;390:10107:2050-2062
  • White MG, Shaw JAM, Taylor Roy. Type 2 diabetes: the pathologic basis of reversible ß-cell dysfunction- Diabetes Care 2016;39:2080-2088
  • Heilmeyer P, von Bibra H. Diastolische Herzinsuffizienz bei Typ-2-Diabetes – diätetisch therapiert – Dtsch Med Wochenschr 2016;141:121-124
  • von Bibra H, Wulf G, St John Sutton M et al. A low-carbohydrate/high-protein diet improves diastolic cardiac function and the metabolic syndrome in overweight-obese patients with type 2 diabetes. IJC Metabolic & Endocrine 2014;2:11-18
  • Ajala O, English P, Pinkney J. Systematic review and meta-analysis of different dietary approaches to the management of type 2 diabetes. Am J Clin Nutr 2013; 97: 505-16
  • Esposito K, Maiorino MI, Di Palo C et al. Effects of a mediterranean-style diet on the need for antihyperglycemic drug therapy in patients with newly diagnosed type 2 diabetes. Ann Int Med 2009; 151: 306-314

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